21 | 08 | 2018

Unser Hausmeister, Herr Koch, gewährte mir einen Blick in die ansonsten verschlossene Aula. Seit den Herbstferien steht sie für Veranstaltungen und Aufführungen im Rahmen des Unterrichts nicht mehr zur Verfügung. Ein Schild an der Glastür weist darauf hin, dass das Betreten aufgrund der Renovierungsarbeiten verboten ist.

Draußen vor dem Schulgebäude steht ein Transporter, hin und wieder sieht man freundlich grüßende Handwerker mit Arbeitsmaterial durch das Treppenhaus gehen, ansonsten bekommen die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer aber kaum etwas mit von den Arbeiten in dem altehrwürdigen Gebäudeteil unserer Schule.

Vor fast 110 Jahren bekam der heutige Altbau des Herder-Gymnasiums - die damalige Töchterschule mit Frauenoberschule - einen südlichen Erweiterungsbau aus Backstein nach den Plänen des Stadtbaumeisters August Kersten auf einer Grundfläche von etwas 13,20 x 23,28 m mit Turnhalle im unteren und Aula im oberen Geschoss. In einem Band über die Bau- und Kunstdenkmäler Westfalens wird der große Innenraum der Aula mit seiner korbbogenförmigen Tonne, der mit einfachen, flachen Putzkassetten überfangen ist, beschrieben. Erwähnt werden zudem die geschweifte Kassettierung an den Wänden und das schmiedeeiserne Gitter, mit dem die Empore eingezogen ist. Explizit wurde auf dem Einbau einer modernen Niedrigdruck-Dampfheizungs- und Lüftungsanlage verwiesen. Doch inzwischen sind die damals getroffenen Baumaßnahmen in die Jahre gekommen.
Beim Blick hinter die Tür ist man zunächst etwas irritiert. Statt der vielen roten Stuhlreihen, die die Besucherinnen und Besucher normalerweise zum Platz nehmen einladen, und den beiden großen Kronleuchtern erhält man ein ganz anderes Bild (Fotos der Renovierung): die Bühne wurde entfernt, der alte Teppichboden entsorgt und die bisherige Wandverkleidung abgenommen. Um den Schulbetrieb nicht zu stören, begannen die Abbrucharbeiten schon in den Herbstferien und teilweise wurden diese sogar an den Wochenenden fortgeführt. In mühevoller Arbeit - jedes Teil musste einzeln zusammengesetzt werden - wurde das große Innengerüst aufgestellt, damit vor allem die Innenputz- und Malerarbeiten an den Wänden und Decken verrichtet werden können. Inzwischen sind die Arbeiten so gut vorangeschritten, dass sogar schon die Bemusterung für den Neuanstrich stattgefunden hat.  
Mit Herrn Koch geht es hinauf auf das Gerüst bis unter die Decke. Unser Hausmeister lächelt und schwärmt, die Aula habe schon einen ganz besonderen Charme. Dieser soll auch nach der aufwändigen Renovierung, die federführend von dem Architekturbüro Kramp aus Lemgo in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz geplant wurde, erhalten bleiben. Bislang ist man gut im Zeitplan, was sicherlich auch daran liegt, dass die beauftragten Fachfirmen und Betriebe verlässlich die Arbeiten verrichten. Demnächst stehen die Sanierung des historischen Fensters an der Nordseite, die Arbeit an der Sonnenschutzanlage sowie der Aus- und Einbau des Parkettfußbadens an.
So ein großes Bauvorhaben sei schon eine ganz besondere Herausforderung, betont Herr Koch. Zahlreiche verschiedene Arbeitsschritte müssten Hand in Hand realisiert werden. Wie viele andere freut auch er sich, dass die Stadt Minden einen Großteil der Kosten übernehme und es damit ermöglicht, dass die Aula wieder zu einem wahren Schmuckstück unserer Schule wird. Entscheidend im Hinblick auf die Finanzierung war zudem, dass die Schule mit Hilfe von großzügigen Sponsoren und der tollen Unterstützung durch den Förderverein sich mit einem Eigenanteil von 100.000 Euro an der baulichen Renovierung beteiligt. Aber auch die ganze Schulgemeinde will sich aktiv an der Aularenovierung beteiligen und im Rahmen des Sponsorenlaufs am Freitag, den 14. September 2018, möglichst viel Geld für eine moderne technische Ausstattung erlaufen.