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Im Mindener Anne-Frank-Haus ist es recht kalt an diesem Augustmorgen, weil die Fenster offen stehen. Meine Klasse, die 7c, soll sich in zwei Gruppen aufteilen. Wie von Zauberhand entstehen eine Mädchen- und eine Jungengruppe.

Jule und Aziz sind unsere Peergroup-Guides und führen uns durch die Anne-Frank-Ausstellung im Kinder-und Jugend-Kreativhaus Anne Frank. Die Mädchengruppe, in der ich bin, geht mit Jule und die Jungengruppe mit Aziz durch die Ausstellung. Jule ist 20 Jahre alt und macht gerade ein Duales Studium bei der Stadt Minden. Aziz ist 18 Jahre alt und besucht die Oberstufe des Ratsgymnasiums. Er ist erst vor drei Jahren aus Aserbaidschan nach Minden gekommen und spricht faszinierend gut unsere Sprache. „Wir fangen bei dem aktuellen Teil an“, sagt Jule. In diesem Teil der Ausstellung machen wir viel Interaktives, dort stehen vier Aufsteller mit jeweils einem Thema: Wer bin ich? Wer sind wir? Wen schließe ich aus? Was kann ich bewirken?
Mich beeindruckt an diesen Aufstellern, dass immer passend zum Thema mindestens ein treffendes Zitat von Anne Frank abgedruckt ist. Auf dem ersten Aufsteller geht es um das Thema: „Wer bin ich?“. Dort sehe ich einen Menschen, der aus vielen Puzzleteilen besteht. Mit den Puzzleteilen sind die verschiedenen Eigenschaften einer Person gemeint, die uns ausmachen. Zu diesem Thema schreiben wir noch etwas auf und schauen einen kurzen Film. Das zweite Thema lautet: „Wer sind wir?“ Hier geht es darum, zu schauen, zu welchen Gruppen wir uns zugehörig fühlen. Aber auch, zu welchen Gruppen sich Anne Frank zählte: Jüdin, Jugendliche, Schülerin, Mädchen, Freundin und Migrantin. Außerdem wollte Anne keine Deutsche mehr sein, sondern Niederländerin bleiben. Auf dem selben Aufsteller steht auch noch ein sehr schönes Zitat von Anne: „ Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht , um damit zu beginnen die Welt Stück für Stück zu verändern.“ Beim nächsten Aufsteller spielten wir durch, aus welcher Perspektive rassistische Sätze kommen. Die vierte Station überfliegen wir aus Zeitgründen nur kurz, hier geht es um den heutigen Rassismus, der mit eindrucksvollen Fotos veranschaulicht wird.

Dann wechselt Jule mit uns in den zweiten, größeren Raum, in dem es um Annes Lebensgeschichte geht. Ich lese die ersten allgemeinen Infos: Annes voller Name ist Annelies Marie Frank, ihr Geburtsdatum ist der 12.06.1929 und ihr Geburtsort ist Frankfurt am Main. Ihre ganze Familie ist deutsch gewesen und Otto Frank hat im Ersten Weltkrieg für Deutschland gekämpft. Jule meint dazu: „ Das Paradoxe ist, dass Otto Frank erst FÜR Deutschland gekämpft hat und dann SELBST bekämpft wurde“. Dann lernen wir noch etwas über die Nürnberger Rassengesetze und bekommen durch ein Hineinversetzen eine Idee davon, wie unser Alltag mit diesen Gesetzen ausgesehen hätte.

Anne und ihre Familie mussten sich in den Niederlanden über der Lagerhalle der väterlichen Fabrik vor den Nazis verstecken, weil sie Juden waren und wegen ihrer Religion von den Nazis verfolgt wurden. Die Familie versteckte sich nicht alleine, sondern zusammen mit der Familie Van Pels und Fritz Pfeffer. Sie konnten dort nur überleben, weil sie außerhalb Gehilfen hatten, die ihnen Essen brachten. Insgesamt saßen sie drei Jahre lang mit acht Personen in dem Versteck. Anne und ihre Schwester Margot kamen nach ihrer Entdeckung durch die Nazis in das Konzentrationslager Bergen-Belsen und starben dort beide an Typhus. Insgesamt gefällt mir die Gestaltung der Ausstellung sehr gut. Dank unserer Expertin Jule erfahren wir sehr viel über Anne Franks Leben und welche Lehren wir für heute aus ihrer Lebensgeschichte ziehen können. Annes Vater Otto war der einzige Überlebende der acht versteckten Personen. Er machte sich zur Aufgabe Annes Ziel weiter zu verfolgen: „Ich bin jetzt fast 90 und meine Kräfte lassen langsam nach. Aber der Auftrag, den ich von Anne habe, gibt mir immer wieder neue Kraft – für Versöhnung zu kämpfen und für Menschenrechte in der ganzen Welt.“

 

eine Reportage von Frida (7c)

 

weitere Informationen im Ausstellungsflyer

 

(Fotoaufnahme aus der Ausstellung)

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