Besuch im Johannes-Wesling-Universitätsklinikum
Schülerinnen und Schüler der MINT-freundlichen Klasse 5a und des Biologie-Leistungskurses des Herder-Gymnasiums lernen den DaVinci-Roboter im JWK kennen und erfahren mehr über die Arbeit im Krankenhaus.
Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5a waren ganz aufgeregt, als sie sich Dienstagmorgen vor dem Johannes-Wesling-Klinikum um 8 Uhr trafen, um sich den DaVinci-Roboter anzugucken und auszuprobieren.
Das Interdisziplinäre Zentrum für Robotische Chirurgie (IZR-OWL) am JWK hat den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geboten, den DaVinci-Roboter, einen bis zu zwei Millionen teuren OP-Roboter, der mittlerweile bei zahlreichen Operationen im Universitätsklinikum Minden, zum Beispiel in der Urologie eingesetzt wird, kennen zu lernen. Wie die Schülerinnen und Schüler erfuhren, ist das Besondere an dem DaVinci-Roboter, dass der Operateur nicht mehr direkt am OP-Tisch beim Patienten steht, sondern von einer etwas entfernt stehenden Konsole die vier Arme des OP-Roboters mithilfe von Daumen und Mittelfinger steuert und diese Arme dann den Patienten operieren. Der Vorteil dieser Operationsmethode liegt dabei klar beim Patienten, weil deutlich kleinere OP-Wunden entstehen und somit die Heilung deutlich schneller geht. Des Weiteren können die OP-Arme mitunter deutlich präziser arbeiten.
Das Team vom robotischen Zentrum am JWK zeigte viel Geduld und hat sich sehr viel Zeit genommen, um den Fünftklässlern und auch den Oberstufenschülerinnen und -schülern die Arbeit des Roboters zu zeigen, alles zu erklären und alle Fragen, mit denen die Schülerinnen und Schülern ins Klinikum gekommen sind, zu beantworten.
Doch es blieb nicht bei der Theorie: wie genau das Operieren mit dem DaVinci-Roboter funktioniert, konnten die Schülerinnen und Schüler des Herder-Gymnasiums selbst ausprobieren und wie die Herder-Kinder erfahren durften, war das ein echtes Privileg. Ein Schüler zeigte sich begeistert: „Echt krass, dass wir die einzigen Fünftklässler in ganz OWL sind, die in diesem Schuljahr an so einem teuren, echten Roboter arbeiten durften.“
Das IZR-OWL hat für die Herder-Schülerschaft zwei Konsolen aufgebaut, an denen sonst Chirurgen üben. Über die eine Konsole wird der DaVinci-Roboter bedient und die andere Konsole simuliert die Bewegungen des Chirurgen in einer Animation. Auf die Konsole wird ein stark vergrößertes Bild des OP-Bereichs übertragen – auch die Instrumente, die im Körper des Patienten stecken, sind zu sehen. Über den Joystick werden die Handbewegungen des Chirurgen auf die Arme des Roboters übertragen, so dass zum Beispiel mit Mittelfinger und Daumen des Chirurgen die Instrumente am Roboterarm geöffnet werden können, um Dinge zu greifen. Reißt der Blickkontakt zum Bild an der Konsole ab, stoppen die Bewegungen. Der Roboter sorgt also für extrem hohe Sicherheitsstandards während einer OP und kann den Operationsbereich stark vergrößert darstellen.
Die Schülerinnen und Schüler der MINT-freundlichen Klasse durften neben dem Roboter auch die Simulatorkonsole , die zu Ausbildungszwecken für Operateure verwendet wird, bedienen. Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert, dass sie so etwas wie echte Roboterchirurgen selbst ausprobieren durften. Sie haben erfahren, dass es gar nicht so einfach ist, den Roboter zu bedienen und konnten damit gut verstehen, dass Chirurgen sehr viele Übungsstunden benötigen, bevor sie den DaVinci-Roboter während einer Operation bedienen dürfen.
Zusätzlich zu dem Operationsverfahren mit Hilfe des DaVinci-Roboters, das sicherlich das Highlight des Besuchs darstellte, haben die Schülerinnen und Schüler auch noch andere medizinische Stationen besucht und ihr Wissen über den Körper erweitert. So erfuhren die Fünftklässler, wie die Niere funktioniert und konnten das Verfahren mittels eines Experiments praktisch ausprobieren. Ebenso durften die Schülerinnen und Schüler bei sich gegenseitig den Blutdruck messen und erhielten von einer Ärztin spannende Informationen zum menschlichen Blutdruck, warum er sich wann verändert und welche Informationen er uns über unseren Körper liefert. In zwei weiteren praktischen Stationen wurde das Wissen der Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner getestet: zum einen mussten sie die Lage der Organe in unserem Körper in einen lebensgroßen Umriss auf einer Tapete richtig einzeichnen und zum anderen sollten sie in einem Quiz ihr medizinisches Wissen zeigen.
Noch Tage später erzählen die Schülerinnen und Schüler begeistert von der Exkursion. Mit leuchtenden Augen berichten sie von dem Roboter und davon, dass sie diesen selbst steuern durften. Sie sind richtige kleine Experten geworden und haben viel gelernt an dem Tag. Sicherlich werden sie sich immer an diese tolle Erfahrung erinnern. Alle waren sich einig: „Das war richtig cool und hat Spaß gemacht!“
Neben unseren Fünftklässlern besuchte auch der Biologieleistungskurs der Oberstufe letzte Woche das Johannes Wesling Universitätsklinikum. Auch die Oberstufenschülerinnen und -Schüler hatten die einmalige Gelegenheit ihre operativen Fähigkeiten an einem echten DaVinci-OP-Roboter zu testen. „Das war schon cool, an einem so teuren Gerät zu sitzen. Diese Gelegenheit haben nicht viele Menschen“, war das Fazit eines Schülers. Außerdem konnten unsere Oberstufenschülerinnen und -schüler sehr ausführlich mit zwei Medizinstudierenden vom Campus Minden sprechen und all ihre vorbereiteten Fragen zu dem Medizinstudium stellen. Der Oberstufenkurs erfuhr sehr viel über das Studium und die damit verbundenen Anforderungen.
Die Herder-Schülerinnen und -schüler erhielten aus erster Hand sehr interessante Informationen zu den Herausforderungen eines Medizinstudiums, aber die Studierenden berichteten auch von den positiven Erlebnissen im Klinikalltag als junge Medizinerin oder Mediziner. Diese persönlichen Erzählungen und Erfahrungen sind sicherlich für einige der Jugendlichen, die sich ernsthaft für ein Medizinstudium interessieren, sehr interessant und hilfreich. „Ich hatte vorher schon über ein Medizinstudium nachgedacht, aber jetzt habe ich noch viel mehr Lust darauf“, sagte eine Schülerin am Ende unseres Besuchs begeistert. „Ich werde auf jeden Fall bald ein Praktikum im JWK machen.“
Zudem erhielten wir von den Ärztinnen und Ärzten vor Ort kurze Informationen über die Erkrankung Krebs, die auch auf dem Lehrplan der gymnasialen Oberstufe steht. Wir erhielten einen Einblick über die alltägliche Anwendung einiger Verfahren, die die Schülerinnen und Schüler bisher nur theoretisch aus dem Unterricht kannten und durften sogar ein Video einer echten Operation anschauen.
Somit war unsere Exkursion zum Johannes Wesling Universitätsklinikum ein voller Erfolg und eine schöne Ergänzung zu der Theorie im Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler sind sich einig: „So etwas sollten wir noch einmal machen.“
