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... eines demokratischen Politikers
„Sehen Sie, dort drüben stand der Wagen, in dem die Mörder warteten.“ Prof. Dr. Martin Sabrow weist, vor der einstigen Villa Walther Rathenaus stehend, in eine Nebenstraße.

Die Teilnehmenden der „Rathenau-Konferenz“, die vom 21. bis zum 23.11.2022 vom Netzwerk der UNESCO-Projektschulen ausgerichtet worden ist, verfolgen gebannt die lebhaften Ausführungen des Historikers – trotz des eisigen Windes, der an diesem Nachmittag durch Berlin-Grunewald weht.

Walther Rathenau war 54 Jahre alt, als er von Mitgliedern der illegalen rechtsterroristischen „Organisation Consul“ am 24. Juni 1922 auf offener Straße ermordet wurde. Er war Berliner, Jude, Autor, Industrieller und er strebte früh politische Ämter an. Fünf Monate vor seinem Tod war er zum Außenminister der Weimarer Republik, des ersten demokratischen deutschen Staates, ernannt worden. Weil er sich nach Deutschlands Niederlage im Ersten Weltkrieg (1914-1918) um einen Ausgleich mit den Siegermächten, vor allem mit Frankreich, bemühte, zog er die erbitterte Feindschaft nationalistischer und rechtsextremer Kreise auf sich. Diese kompromisslose Feindseligkeit der radikalen Rechten, die sich auch aus ihrem Antisemitismus speiste, führte schließlich zum Attentat. Am Ort des Geschehens befindet sich heute ein Gedenkstein.

Aus Anlass des 100. Todestages trafen sich 50 Schüler*innen von zehn UNESCO-Projektschulen aus ganz Deutschland in Begleitung ihrer Lehrkräfte zu einer mehrtägigen Veranstaltung. Sie fand in Potsdam und Berlin statt. Darunter befanden sich auch drei Schüler des Q2-Leistungskurses Geschichte am Herder-Gymnasium (Jason Fox, Hanno Hagemann, Maximilian Schmidt). Während der „Rathenau-Konferenz“ ging es zum einen darum, des Politikers an seinem Lebens- und Wirkungsort im Kontext der deutschen Geschichte zu gedenken, zum anderen aber auch darum, Bezüge zur Gegenwart herzustellen.

Bereits am Vorabend des Grunewald-Rundgangs hatten die Teilnehmer*innen der Veranstaltung in einem Potsdamer Tagungsraum eine äußerst anschauliche Einführung von Martin Sabrow in die Ereignisse der frühen 1920er Jahre erhalten.

Am nächsten Vormittag fanden ein Vortrag und ein Gespräch mit dem Journalisten Martin Steinhagen statt. Er gilt als ausgewiesener Kenner des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik und thematisierte insbesondere den Mordanschlag auf Walter Lübcke im Jahr 2019.



An den Grunewald-Rundgang mit Martin Sabrow am Nachmittag schloss sich eine historische Stadtführung durch Dr. Hanno Hochmuth (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam) an. Die Konferenz-teilnehmer besichtigten zunächst das Mahnmal „Gleis 17“ am Bahnhof Grunewald, von wo ab 1941 die Berliner Juden in die Vernichtungslager deportiert wurden. Danach suchten sie, auf den Spuren der Weimarer Zeit (1918 – 1933), den Alexanderplatz, die Hirtenstraße und das legendäre Kino „Babylon“, den Bülowplatz und das Berliner Stadtschloss auf.


Ein gemeinsames italienisches Essen und abendliche Stadterkundungen in Gruppen bildeten den Ausklang des Tages. Zugleich bot dieser Rahmen die Gelegenheit zu ausgiebigen Gesprächen.


Den dritten Konferenztag verbrachten alle Teilnehmer im Jüdischen Museum. Während die Schüler/innen an einem Workshop teilnahmen, erhielten die Lehrkräfte eine hervorragende Führung. Beide Veranstaltungen galten der Entstehung und den katastrophalen Folgen antisemitischer Denkmuster – wie sie etwa in der Ermordung Walther Rathenaus zutage traten.


Text: Martin Plato
Foto und Bild: Bundeskoordination der UNESCO-Projektschulen

 

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