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Wir bewegen uns in die Startauslage. Warten. Der Schiedsrichter ruft „Achtung“. Das Startsignal ertönt, die Ampel springt auf grün und alle Boote setzten sich in Bewegung.

 

Alles hat damit begonnen, dass im letzten Schuljahr nach einer zweijährigen Coronapause wieder der Wettbewerb „Jugend trainiert für Olympia und Paralympics“ stattgefunden hat und sich das Herder-Gymnasium im Gig-Riemen 4er durch den Landessieg NRW in Duisburg für das Herbst-Bundesfinale in Berlin qualifiziert hat, bei dem die Landessieger aus allen Bundesländern gegeneinander antreten.

Mit dem Training beginnen wir dafür zu trainieren und durch einen Weggang eines unserer Mannschaftsmitglieder besteht unser Team jetzt aus Paul Mönnich (Q2), mir, Julian Heise (EF), Tjark Seele (Q2), Jonas Basler (EF) sowie unserem Steuermann Paul Vogelsmeier (9a).

 

 


Am Dienstag, dem 13.9. ist es dann endlich soweit. Wir stehen an einem verregneten Morgen mit der ganzen Mindener Mannschaft, die ca aus 35 Leuten besteht, am Mindener Bahnhof und warten auf den Zug nach Berlin. Dort angekommen heißt es dann einchecken in der Unterkunft. Diese liegt direkt am Ostkreuz, so dass die Innenstadt seht gut erreichbar ist. Dabei ist zu erwähnen, dass alle Aspekte wie Anfahrt, Unterkunft, aber auch Nahverkehrsticket für den gesamten Aufenthalt gesponsert werden. Den Rest des Tages können wir in Berlin frei verbringen.


 


 

Am nächsten Tag machen wir uns zum ersten mal auf den Weg zur Regattastrecke, die ca. eine halbe Stunde S-Bahn in Grünau liegt. Ihren größten Einsatz hatte diese bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. Dort machen wir zuerst die Boote fertig, die schon vorher dorthin transportiert wurden und drehen danach eine Trainingsrunde auf der Strecke. Am Nachmittag steht dann noch eine Bundestagsführung vom Büroleiter unseres Bundestagsabgeordnetem, Oliver Voigt, an. Diese Führung beinhaltet einen Gang mit Blick hinter die Kulissen durch den Reichs-und Bundestag mit spannenden Informationen sowie einen Blick in den Plenarsaal und die Möglichkeit, die Glaskuppel zu besichtigen.


 

 

Die Stimmung ist bei allen super und wir freuen uns schon auf den nächsten Tag, wo es dann mit den Rennen losgeht. Ich schlafe früh ein und werde um 7 Uhr morgens von Tjarks Wecker wieder aus dem Schlaf gerissen. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zur Strecke. Eine Stunde vor dem Rennen machen wir eine Besprechung mit unserem Trainer, Daniel Bredemeyer vom Besselgymnasium. Nach dem Analysieren der Konkurrenz rechnen wir uns insgesamt eine Qualifikation für das A-Finale aus - vielleicht sogar direkt im Vorlauf. Danach wärmen wir uns auf und fahren dann zum Start hoch.

Die Bedingungen sind zwar nicht brillant, es ist etwas wellig und windig, aber unser Ziel ist klar, wir wollen die 1000m Distanz absolut Vollgas geben und die bestmögliche Leistung abrufen. Dann ruft der Schiedsrichter unser Rennen auf und wir fahren auf der uns zugeteilten Bahn zur Startanlage. Es wird ruhig und wir bewegen uns in die Startauslage. Jetzt geht der Schiedsrichter alle Boote in unserem Lauf einmal durch und ruft danach „Achtung“. Kurz danach ertönt das Startsignal, die Ampel springt auf grün und wir legen los. Nach 600m liegen wir mittlerweile auf dem 4. Platz und der 2. hat 2 knappe Bootslängen Vorsprung. Ich habe die Vorstellung von der direkten Qualifikation schon fast abgeschrieben, als Paul Mönnich zum Enspurt anzieht. Unter den Rufen unseres Steuermanns ziehen wir zuerst an Bremen vorbei und fahren schließlich mit dem bis dahin zweitplatzierten Boot aus Rheinland-Pfalz fast zeitgleich ins Ziel.

Keiner von uns weiß, ob es gereicht hat, aber wir sind komplett fertig und schleppen uns nur noch zurück zum Steg. Dort erwartet uns schon unser Trainer und teilt uns mit, dass wir die Rheinland Pfälzer mit dem Bruchteil einer Sekunde geschlagen haben und so sicher im A-Finale stehen. Ich glaube, mehr haben wir uns die ganze Fahrt über nicht gefreut. Ich kann es auch noch nicht wirklich glauben, aber das Ergebnis ist da eindeutig. Dieses Ergebnis ist zudem das beste Ergebnis des Herders, bei diesem Wettbewerb seit acht Jahren.

 

Den Rest des Tages haben wir wieder zur freien Verfügung und Jonas und ich fahren zusammen mit ein paar Jungs vom Bessel zum Flughafen und noch zum Einkaufen in die Stadt. Am Freitag stehen dann morgens die Finals an. Bei unserer Vorbesprechung formuliert unser Trainer unsere Lage mit den Worten „Egal welchen Platz ihr jetzt holt, euer Ziel habt ihr schon erreicht!“, dem wir alle zustimmen. An diesem Tag hat der Wind deutlich zugenommen, so dass das Wasser sehr wellig und schwierig zu fahren ist. In diesem Rennen steht die Zeit auch leider nicht auf unserer Seite, wir werden mit dem Bruchteil einer Sekunde hinter Bremen 6., was uns aber nur wenig ärgert, was Paul Mönnich folgendermaßen formuliert „Klar, hätten wir uns ein bis zwei Plätze besser gewünscht, aber wir sind immer noch Platz 6 in dieser Bootsklasse in ganz Deutschland, was für uns top ist“.

Am Abend machen wir uns dann zur Siegerehrung auf, bei der die Sieger aller Sportarten in einer Radrennarena geehrt werden und es zudem Interviews mit ehemaligen deutschen Top-Leistungssportler*innen gibt sowie artistische Vorstellungen verschiedenster Art. Aus unserem Mindener Team werden gleich zwei Boote geehrt, der Mädchen 4er und Jungen 8er, die beide für das Besselgymnasium den Bundessieg errungen haben. Die anschließende Disco wird zwar mit gemischter Begeisterung aufgenommen, aber insgesamt kann ich abends im Hostel auf eine durchaus interessante Veranstaltung zurückblicken.

Am Samstag ist dann Abreise angesagt und als wir gegen Nachmittag wieder in Minden aus dem Zug steigen, knallt es erst einmal zwei Konfettikanonen und wir werden toll empfangen. Insgesamt hat uns allen das Event sehr gut gefallen und es zeigt auch, dass es auch auf dem Herder durchaus möglich ist Leistungssport bzw. qualitativ hohen Schulsport zu betreiben.

 

Text und Fotos: Julian Heise

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