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Paula Gattner, Schülerin der Q2 und aktuelle Abiturientin, hat mit einem interaktiven Stadtrundgang zu Berta Bleek, einer in der damaligen Frauenbewegung und in der Mindener Gesellschaft sehr engagierten Lehrerin am

Mindener Lyzeum, in diesem Jahr sehr erfolgreich am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilgenommen. Anfang Juni erhielten wir die Nachricht, dass die Arbeit mit einem Förderpreis ausgezeichnet wird. Das Herder-Gymnasium gratuliert Paula Gattner zu dieser tollen Auszeichnung.



Die Themenstellung des Geschichtswettbewerbs „Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft“ gab den Anstoß zu einer Recherche, die eine äußerst engagierte Frau zu Tage fördern konnte. In Minden ist sie aber weitestgehend vergessen worden. Bertha Bleek, Tochter des damaligen Mindener Oberbürgermeisters Theodor Bleek, arbeitete als Lehrerin für Handarbeit und Turnen am Mindener Lyzeum, dem heutigen Herder-Gymnasium. Ihre Beheimatung in der bürgerlichen Gesellschaft Minden nutzte sie für vielfältige Impulse. In einer Zeit, als man als Lehrerin noch gezwungen war, auf Ehe und Kinder zu verzichten, fand sie Betätigungsfelder, die ihrer tiefen Verwurzelung in der Frauenbewegung Ausdruck verliehen. Hervorstechend für die damalige Zeit ist sicherlich die Gründung des Mindener Frauen-Turnvereins, dem sie von der Gründung 1897 bis zu ihrem gesundheitlich bedingten Ausscheiden im Sommer 1914 vorstand. Diese Vereinsgründung und die dauerhafte Etablierung des Frauensports in Minden machten es nicht nur erforderlich, zahlreiche organisatorische Probleme, die den Beginn einer jeden Vereinstätigkeit begleiten, zu überwinden, wie etwa die Suche nach geeigneten Sportstätten oder der verantwortliche Umgang mit einer stets knappen Vereinskasse. Auch die damalige Lösung, Organisation und Durchführung verschiedenster Feste und Bälle, die das Ansehen des Vereins in Minden nachhaltig zu verbessern wussten, waren eine gesellschaftspolitische Neuerung, die die frauenpolitische Komponente im Denken und Handeln Bertha Bleeks erkennbar werden lässt: die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Widerständen in der bürgerlichen Welt der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Eine andere Initiative Bleeks existiert sogar bis heute: der Karoline-Dettmer-Hort an der Königsstraße ist eine Gründung, die ebenfalls 1897 von ihr betrieben wurde.



Der Wert der Arbeit besteht sicherlich zum einen darin, dass es über den Menschen Bertha Bleek keine eigene Publikation gibt, was eine eigenständige Spurensuche im Mindener Kommunalarchiv erforderlich machte. Paula Gattners Arbeit stellt uns eine Frau vor Augen, die zur eigenständigen Auseinandersetzung mit ihr herausfordert. Zum anderen aber ist durch das gewählte Format der Arbeit das Ergebnis nun leicht abrufbar und allen Interessierten in der Stadt leicht zugänglich.
Durch digitale Infotafeln, die man wie einen eigenständig verwendbaren Stadtrundgang zum Thema verwenden kann, ist der Beitrag einfach und für eine flexible Handhabung vermittelt. Auch die bereits bestehenden Infotafeln in Minden und die digitalen Stadtrundgänge in der Minden-App waren ein Anreiz für die Darstellungsform. Bertha Bleeks Geschichte kann so publik werden.


Als eine gute Grundlage für die erfolgreiche Wettbewerbsteilnahme erwies sich die Begleitung der Arbeit im gesellschaftswissenschaftlichen Projektkurs „Aufbruch in die Moderne“ der Q2 im zurückliegenden Schuljahr.

 

Paula Gattner und Heribert Walber

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